Nadelwelt 2019

Auf der Nadelwelt

Nadelwelt 2019 – 9 Uhr

So sieht es Sonntagmorgen um etwa 9 Uhr auf der Nadelwelt aus. Viele Leute – Frauen wie auch Männer – sind von Nah und Fern angereist, um an den Kursen zu verschiedenen Nähthemen teilzunehmen. Man sieht Koffer, Rucksäcke, Taschen aus denen Quiltlineale ragen, Nähmaschinen, Anschiebetische, Stoffe und natürlich Eintrittskarten.

Für diejenigen, die die Nadelwelt noch nicht kennen… Die Nadelwelt ist eine Verbrauchermesse zum Thema Patchwork und Quilten, die einmal im Jahr – Anfang Mai – in Karlsruhe stattfindet. In der Messehalle finden sich unzählige Aussteller, die Stoffe, Garne, Wolle, Nähmaschinen und Longarmmaschinen verkaufen und vorführen. Daneben gibt es ein gutes Kursprogramm.

Ich war nicht als Aussteller, sondern als Besucher dort und habe einen Anfängerkurs zum Thema Longarmquilten besucht. Seit ich Patchwork und Quilten für mich entdeckt habe, bin ich fasziniert davon, was man mit diesen Maschinen machen kann und würde mir gerne eine zulegen. Leider sind sie nicht billig und brauchen viel Platz.

Die Rahmen, die man hier im Kursraum sieht, sind Sonderanfertigungen mt 1,50 m Breite, die speziell für Kurse hergestellt werden und die es so auch nicht zu kaufen gibt. Die Rahmen, die man mit den Maschinen kaufen kann sind entweder 2,40 m oder 3,60 m breit. Da Quilts gerne als Tagesdecken Verwendung finden, machen diese Breiten durchaus Sinn, aber den Platz muß man trotzdem erstmal haben.
Bevor ich Geld und Platz investiere, wollte ich einfach wissen, ob mir das Free-Motion-Quilting mit einer solchen Maschine Spaß macht oder ich nach einer Stunde total frustriert das Handtuch werfe, weil ich einfach zu grobmotorisch dafür bin.

Nach einer Vorstellungsrunde und kleinen Einführung an den Maschinen ging es zur Sache: Das erste Muster wurde erklärt und eifrig Trockenübungen auf Papier gemacht, bevor es immer zu zweit an die Maschinen zum Ausprobieren ging.

Alles noch ein bisschen „wonky“, aber für den ersten Versuch gar nicht so übel. Außerdem macht Übung den Meister und bei einem richtigen Projekt sieht man hinterher sowieso nicht jede Naht, sondern nur die Textur.

Was mich ein bisschen erstaunt hat war, wie viele Kursteilnehmer tatsächlich eine Longarm besitzen. Das waren etwa ein Drittel. Eine Mitteilnehmerin hatte sich gerade frisch eine gekauft und hatte ALLE Longarmkurse der Nadelwelt gebucht, um die Berührugsängste abzubauen. Das konnte ich so gut nachfühlen. Ich hab schließlich als ich, 7 Jahre nachdem ich meinen Führerschein gemacht hatte, mein erstes Auto hatte auch nochmal drei Fahrstunden genommen.
Mein Fazit: Ich brauch so eine Maschine! Und Spaß hat’s gemacht.

Da die Kurskarten auch Eintritt zur Messe erlauben bin ich noch kurz durch die Halle gelaufen, war aber insgesamt von den Eindrücken des Tages schon so überwältigt, daß ich nach kurzer Zeit beschloß nach Hause zu fahren. Auf dem Weg aus der Messe heraus ist mir dann noch dieses Prachtstück vor die Linse gelaufen: ein Jacquard Webstuhl.

Die Live Demo in der Mohammad Jabr aus Innsbruck zeigt, wie er mit diesem über 200 Jahre alten Webstuhl damaszener Brokat herstellt, habe ich leider verpasst.

Für mich als Informatiker ist dieser Webstuhl wegen seiner Lochplatten, die das Webmuster vorgeben besonders interessant. So wurde es in der industriellen Revolution möglich hochwertige Stoffe auch mit weniger qualifizierten Arbeitern zu produzieren. Auch die ersten Computer wurden mit Lochkarten programmiert. Man könnte also fast sagen, es ist ein computerisierter Webstuhl.
Gerade heute habe ich erfahren, daß Ada Loveless, die als erste Programmiererin (nicht nur weiblicher Programmierer, sondern Programmierer überhaupt) gilt, solche Webstühle mit Lochplatten untersucht hat und daraus erstaunliche Schlüsse in Bezug auf Babbages‘ Analytical Engine (der „erste Computer“, den es aber nur als Entwurf gab) gezogen hat.

Insgesamt war es ein schöner und erfolgreicher Tag. Nur mein Platzproblem bleibt vorerst.